Festkomitee Kölner Karneval

Das Kölner Festkomitee (offiziell: „Festkomitee des Kölner Karnevals von 1823 e.V.“) ist die Interessenvertretung der überwiegenden Anzahl von Karnevalsgesellschaften und –vereinen. Aufgabe des Festkomitees ist es, die Tradition des Kölner Karnevals zu bewahren, Brauchtümer aufrecht zu erhalten und die Organisation großer Veranstaltungen – allen voran des Rosenmontagsumzuges – zu übernehmen. Das Festkomitee Kölner Karneval wird dabei von zahlreichen ehrenamtlichen Mitgliedern unterstützt und trägt maßgeblich zum Erfolg der Karnevalsveranstaltungen bei. Bereits seit dem 19. Jahrhundert ist das Festkomitee zu Gange und verhilft dem Kölner Karneval jedes Jahr aufs Neue zu einer traditionsreichen und zugleich modernen und vielseitigen Veranstaltung.

Geschichte des Festkomittes

Im bewegten Lauf einer nun 175jährigen Historie spiegelt das “Festkomitee des Kölner Karnevals von 1823 e.V.” gleichermaßen einen ereignisreichen Abschnitt Kölner Fastnachtsgeschichte wider wie auch einen solchen der Metropole des Rheinlandes selbst. Im Jahre 1998 haben deshalb die Kölner – und mit ihnen die zahlreichen Freunde und Sympathisanten – einen ganz besonderen Grund zum Feiern: Nicht nur ein staatses Fastelovends-Jubiläum, sondern ein Fest, das engstens mit der Geschichte der zweitausendjährigen Stadt am Rhein verbunden ist. Der Ursprung kölnischer Fastnachtsfreuden ist in der römischen Antike der Rheinregion und in den keltisch-germanischen Götterverehrungsfesten begründet. Schon aus dem 12. Jahrhundert, als sich die Stadt die ersten Freiheitsrechte erkämpfte, ist das Wort “Fastabend” bezeugt. Die früheste schriftliche Erwähnung der Fastnacht in Köln ist eine Eintragung im Eidbuch des Stadtrates vom 5. März 1341.Von dieser Beurkundung mittelalterlicher Sinnenlust mit betont christlichen Akzenten spannt sich ein weiter farbenprächtiger Historienbogen über die Fastnacht unter der Trikolore und die romantische Reform des kölschen Fasteleers von 1823 bis hin zum Volkskarneval unserer Tage in seiner ganzen Vielfalt, vereint unter der großen Narrenkappe des Festkomitees des Kölner Karnevals von 1823 e.V.

Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts stand es um den Kölner Karneval nicht gut. Es galt, dieses beliebte vaterstädtische Heimatfest zu retten, das die Franzosen verboten hatten. Der Kölner Stadtverwaltung war es zwar gelungen, das Dekret der Besatzer wieder aufzuheben, aber eine rechte Stimmung wollte sich nicht mehr einstellen. Um den kölschen Fasteleer mit neuen Ideen zu beleben und zu ordnen, kam im Herbst 1822 ein kleiner Kreis von angesehenen Kölner Bürgern, die der “Olympischen Gesellschaft” sowie dem Kölner Patriziat entstammten, im “Weinhäuschen bei St. Ursula” zusammen. Bei jenen ersten Zusammenkünften ging es darum, den “in ganz Teutschland einstens so berühmten kölnischen Carneval …” zu erneuern. Zum ersten Sprecher – Präsident – der Fastnachtsreform wurde der Bürgermeister und spätere Regierungspräsident Heinrich von Wittgenstein gewählt. In einem Manifest fanden die Reformideen ihren Niederschlag, und es wurde zu einer ersten Generalversammlung des “Festordnenden Komitees” für Anfang 1823 eingeladen.

Das “Festordnende Komitee” – auch “Kleiner” oder “Lustiger Rath” genannt – bereitete das Karnevalsfest bei internen Sitzungen soweit vor, daß es den “Großen Rath”, auch “Generalversammlung” genannt, zeitig unterrichten und zum Engagement auffordern konnte. Diese “Generalversammlung” setzte sich aus den Teilnehmern am Kölner Narrenfest alljährlich neu zusammen. Vereinscharakter hatte sie damals nicht. Die “Generalversammlungen” nahmen am Neujahrstag ihren Anfang und wurden dann jeden Sonntag bis zum Fastnachtssonntag veranstaltet. 1833 taucht dann erstmals für derartige “Generalversammlungen” der Name “Komiteesitzungen” auf. Ihr Instrumentarium ist das bis zum heutigen Tag weithin bekannte und vielfach bewährte: Elferrat, Bütt und Büttenredner, Vortragskünstler und fastnachtliche Schauspielergruppen auf dem Podium.

Die Zahl der Komiteemitglieder durfte bis zu zwanzig betragen. Das Komitee selbst gliederte sich in fünf Ausschüsse: Ballausschuß, literarisch-musikalischer Ausschuß, Zugausschuß für Dekoration, Zugausschuß für Wagen und Pferde und Finanzausschuß. Das “Festordnende Komitee von 1823″ war in seinen Entscheidungen so gut wie autonom, da es bis in die vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein keine selbständigen Karnevalsgesellschaften gab. Seit dem ersten Kölner Rosenmontagszug 1823 bleibt er der imposante Höhepunkt des Kölner Karnevals. Unter dem bewährten Grundsatz “persiflieren, parodieren, karikieren” zieht er alljährlich über eine Million Zuschauer zur großen Narrenparade an. Gleichermaßen mit diesem Maskenfest ist die Inthronisierung des “Helden Karneval” als außergewöhnlich glanzvolles Ereignis hervorzuheben. Nach dem Kriege 1870/71 trat dann die Bezeichnung “Prinz Karneval” auf, die sich bis heute gehalten hat. Seit der Session 1883 gibt es ein Kölner Dreigestirn. Das Dreigestirn im Kölner Karneval – Verkörperung der Lebensfreude einer ganzen Stadt in der Rolle des Prinzen, Bauern und der Jungfrau – hat seine in der Stadtgeschichte begründete Tradition.

Erstmals gab das “Festordnende Komitee” im Jahre 1825 eine eigene Karnevalszeitung heraus. Sie hatte häufig unter der preußischen Pressezensur zu leiden und fiel ihr schließlich zum Opfer. Dieses Los traf 1830 auch das “Festordnende Komitee” selbst, wenngleich es der Aktion durch Selbstauflösung die beabsichtigte Wirkung nahm. Der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. war danach einsichtig genug, das Komitee durch “Allerhöchste Order” in seine alten Rechte einzusetzen. Von Beginn an war es üblich, zu den “Generalversammlungen” Gäste einzuladen. Unter ihnen fand man häufig preußische Prinzen und andere Honoratioren. Ordens- und Diplomverleihungen als lustiger, karnevalistischer Gag zählten zur Tagesordnung. Es war ein preußischer General, der bei solcher Gelegenheit (1827) die kölnische Fastelovendsmötz (Narrenkappe) aus der Taufe hob. Sie bleibt fortan das äußere Zeichen kölnischer Narretei. In der 175jährigen Geschichte des “Festordnenden Komitees” fehlte es nicht an Krisen. Die erste und zugleich einschneidendste trat um 1840 ein. Das “Festordnende Komitee” fiel um jene Jahre in zwei Karnevalsgesellschaften auseinander, die jede für sich den Anspruch geltend machten, legitimer Nachfahre des 1823 gegründeten “Festordnenden Komitees” zu sein, womit über viele Jahrzehnte eine komplizierte Entwicklung einsetzte. Das “Festordnende Komitee” stützte sich seitdem auf die Mitarbeit verschiedener Karnevalsgesellschaften, aus deren Reihe seine Mitglieder kamen.

Noch fühlte sich das “Festordnende Komitee” mit häufig wechselndem Kommando nicht unbedingt und ausschließlich als Dachorganisation aller Kölner Karnevalsgesellschaften. Seine vordringliche Aufgabe war die Vorbereitung des großen Maskenzuges. Das sollte mit dem Jahre 1922 anders werden. Es änderte sich die Organisationsform. Das “Festkomitee” wurde nun zur “Interessenvertretung” der ihm angeschlossenen Kölner Karnevalsgesellschaften. Klipp und klar hieß es 1939, daß es nicht nur für den Rosenmontagszug zuständig sei, sondern eine “Gesamt-interessenvertretung des Kölner Karnevals”. Dreißig Kölner Karnevalsgesellschaften schlossen sich spontan dem “Festausschuß des Kölner Karnevals” unter dem Präsidenten Thomas Liessem (1935) an. Während jener Jahre wurden zum ersten Mal in stärkerem Maße die modernen Kommunikationsmittel – Film und Rundfunk in das Festgeschehen einbezogen.

Im Prinzip zeigte das Wirken des “Festausschusses Kölner Karneval” jener Jahre die Struktur des “Festkomitees” von heute. Auch die systematische Anlage einer “Kammer” gehörte schon dazu. Heute (1997) weist der Fundus rund 15.000 Kostüme aus. Mit dem Motto “Singendes, klingendes, lachendes Köln” verabschiedete sich 1939 der Karneval – ohne es allerdings zu ahnen – für die Dauer des 2. Weltkrieges. Im “Neumarktbräu” hielt der Festausschuß am 7. November 1939 seine letzte außerordentliche Generalversammlung ab. Nach dem Kriege, am 17. Januar 1947, konstituierte sich der “Festausschuß” neu. Zielstrebig begann man mit dem Aufbau des Kölner Karnevals. Erster Präsident war Albrecht Bodde. Unter seiner Regie wurde 1948, drei Jahre nach dem die Kölner das Kriegsende überlebt hatten, das 125jährige Bestehen des Festkomitees gefeiert. Neues Leben erwuchs aus den Ruinen.

1954 trat Thomas Liessem, der schon vor dem Kriege die Narren regierte, seine Nachfolge an. In seine Amtsperiode fällt eine nicht unwichtige Entscheidung: In einer außerordentlichen Generalversammlung am 3. Januar 1957 wird der ursprüngliche Name “Festkomitee des Kölner Karnevals von 1823 e.V.” beschlossen. Liessem gründete u.a. den “Großen Senat”, ein Gremium gutgestellter Bürger, die inzwischen den Karneval mit Millionenbeträgen gesponsert haben. 1964 wurde Ferdi Leisten Präsident des Festkomitees. Leisten begann zielstrebig mit der Einrichtung eines Archivs. Seit 1967 laufen im “Haus des Kölner Karnevals”, einer Art “Rathaus der kölnischen Narretei”, alle Fäden zusammen. Auf Leistens Anregung erhielt 1973 – zum 150jährigen Jubiläum – der Festkomiteepräsident erstmals eine Präsidentenkette. Leisten achtete besonders auf karnevalistische Tradition.

1973 trat Franz Pohl seine Nachfolge an. 1979-1982 hatte Heiner Mühr das Amt inne. 1982 wurde Ralf-Bernd Assenmacher als Festkomiteepräsident gewählt, der mit zeitgemäßen Maßstäben das Festkomitee mit Fortune voranbrachte. Ein wichtiges Anliegen unseres Festkomitees war es seit langem, durch eine umfassende Sammlung von Dokumenten vielfältigsten Charakters das große stadtkölnische Heimatfest Karneval darzustellen. In dieser Absicht wurde 1967 bei Bezug des “Hauses des Kölner Karnevals” von Festkomiteepräsident Leisten der Grundstein gelegt. 1985 konnte durch die Initiative von Festkomiteepräsident Ralf-Bernd Assenmacher in wesentlich erweiterten Ausstellungs-Präsentationen das “Kölner Karnevals-Museum” eröffnet und damit für ein breites Publikum zugänglich gemacht werden. Konzeption und Gestaltung stammen von Festkomitee-Vorstandsmitglied/Historiker Gerhard Wilczek, der als Direktor das Museum leitet. Über 99 Stufen hinweg präsentiert sich auf allen Etagen das Reich der kölnischen Fastnacht mit 1.111 farbigen Bildmotiven auf 555 Bildträgern und in 33 vielfältig gestalteten Vitrinen. “Das neue Museum wird als beispielhaft in der Darstellung der geschichtlichen Exponate zur Kölner Fastnacht gepriesen” (Großer Senat). Und das Kölnische Stadtmuseum urteilt: “Eine bewundernswerte Präsentation voller Intimität und Schönheit als eine Referenz und ein Plädoyer für die gesamte Kölner Stadtgeschichte.”

Das Kölner Karnevals-Museum wurde bald zu einem Anziehungspunkt selbst für Touristen aus aller Welt. Rund 75.000 Besucher waren Gäste des Museums. Das Museum wird seit 1983 vom Großen Senat des Kölner Karnevals – Verein Heimatmuseum Köln e.V. – unter Präsident Jan Brügelmann tatkräftig gefördert. 1988 wurde Rudi Herrmann Festkomiteepräsident, der an der bewährten Tradition festhielt. Ihm folgte 1989 Gisbert Brovot. Er kümmerte sich um die Jugendarbeit. Auch berief er 1990 die ersten zwei Frauen in den Festkomiteevorstand. Im Jahre 1994 wurde Hans-Horst Engels zum Festkomiteepräsidenten gewählt. Er gilt als ein eifriger und erfolreicher Verfechter der urtümlichen kölnischen Fastnacht in einem zeitgemäßen fortschrittlichen Stil. Es geht ja längst nicht mehr wie vor 175 Jahren in erster Linie darum, den Rosenmontagszug zu gestalten. Rund hundert unterschiedlich strukturierte Karnevalsgesellschaften brauchen eine Dachorganisation als gemeinsame Vertretung ihrer Anliegen.

Das Festkomitee Kölner Karneval als Gesamt-Interessenvertretung umfaßt heute (1997) 98 Mitgliedergesellschaften. Davon gehören 55 Karnevalsgesellschaften der “Gruppe der ordentlichen Mitglieder” an. 5 Mitgliedergesellschaften sind hospitierend. Weitere 38 Karnevalsgesellschaften gehören der “Gruppe der Fördernden” an. Engels fördert insbesondere die Jugendarbeit und verankerte zwei Mitglieder des Jugendparlaments im Festkomiteevorstand. Des weiteren kümmert er sich engagiert um den Nachwuchs für Podium und Bütt durch das Literarische Komitee. Kontakte zur weiten Öffentlichkeit müssen gepflegt werden. So u.a. zum BDK Bund Deutscher Karneval unter Präsident Franz Wolf, der seinen Dienstsitz im Haus des Kölner Karnevals 11 hat. Repräsentative Veranstaltungen sind auszurichten. Doch war und bleibt die Organisation kein Selbstzweck.

Ein Charakteristikum des letzten Jubiläumsjahrzehnts bildet das stetig wachsende Interesse der Medien am Thema “Karneval” und der Konkurrenzkampf um Senderechte untereinander. Die meisten Darstellungen beziehen sich auf den Karnevalshöhepunkt Rosen-montagszug, auf die Schull- und Veedelszög, Prinzenproklamation, vielfältige Fernseh- und Rundfunksitzungen sowie Szenen aus dem farbenfrohen Straßenkarneval. Immerhin ist zu bedenken, daß auch die Geschichte des Kölner Karnevals nicht einfach in die Zukunft hineinverlagert werden kann. Neuen Entwicklungen in unserer schnellebigen Epoche muß umsichtig begegnet werden (kabarettistisches Abgleiten). Dessen ungeachtet: Die kölnische Fastnacht spiegelt zu jeder Zeit einen kostbaren Teil unserer Mutter Colonia wider, nämlich Menschlichkeit und Lebensfreude, die zugleich als Brückenschlag Kölns zu seinen Freunden in aller Welt gelten wollen. (GW)

Entstehung des Festkomitees
Anfang des vorigen Jahrhunderts galt es den Karneval, den die Franzosen verboten hatten, zu retten. Zwar war es der Stadtverwaltung damals gelungen, das Verbot wieder aufheben zu lassen, dennoch wollte Stimmung nicht mehr so recht aufkommen. Im Herbst 1822 kam ein kleiner Kreis angesehener Kölner Bürger im “Weinhäuschen St. Ursula” zusammen, um den Fasteleer neu zu ordnen und mit neuen Ideen zu beleben. Bürgermeister Heinrich von Wittgenstein wurde zum ersten Sprecher gewählt, ein Reform-Manifest verabschiedet und für Januar 1823 zur ersten Generalversammlung des “Festordnenden Comite” geladen. Das war der Anfang.

1825 brachte das “Comite” dann bereits eine eigene Karnevalszeitung heraus, weil es häufig unter der preußischen Pressezensur zu leiden hatte. Fünf Jahre später wurde die Zeitung verboten. Erst Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. war einsichtig genug, dem “Comite” seine alten Rechte zurückzugeben. So war es auch ein preußischer General, der bei einer Generalversammlung im Jahre 1827 die kölnische Fastelovendsmötz (Narrenkappe) aus der Taufe hob, die seither das äußere Zeichen kölscher Jecken ist. 1833 finden statt der “Generalversammlungen” erstmals “Komiteesitzungen” statt, auf denen Elferrat, Bütt, Büttenredner, Vortragskünstler und fastnächtliche Schauspielergruppen auf dem Podium erscheinen.
1844 kommt es zum Knatsch. Da zerfällt das “Comite” in zwei Gesellschaften. Die Folge: Zwei Jahre lang gibt es zwei Rosenmontagszüge. Erst 1846 kann man sich wieder auf einen gemeinsamen Zug einigen. Seither und in den nachfolgenden Jahrzehnten kommt es immer wieder zu Spaltungen und Neugründungen, wodurch sich das “Festordnende Komitee” ausschließlich als Dachorganisation aller Kölner Karnevalsgesellschaften fühlt. Hauptaufgabe: Durchführung des Maskenzuges.

1922 wird das “Festkomitee” zur “Interessenvertretung”, 1935 schließen sich unter Präsident Thomas Liessem spontan 30 Gesellschaften dem “Festausschuß Kölner Karneval” an, der nun auch systematisch eine Kleiderkammer für den Rosenmontagszug anlegt. Heute befinden sich mehr als 15.000 Kostüme im Fundus. Nach den Kriegswirren konstituiert sich der “Festausschuß” im Januar 1947 neu. Im Januar 1957 sorgt Präsident Liessem schließlich dafür, daß der “Festausschuß” wieder seinen ursprünglichen Namen “Festkomitee des Kölner Karnevals von 1823 e.V.” erhält, das inzwischen 56 Mitgliedergesellschaften, fünf hospitierende und 38 fördernde Gesellschaften umfaßt.

Leave a Comment